Einleitungen und Abschnittsüberschriften zu den Büchern des Neuen – Testaments, aus der Schlachterübersetzung, Version 2000.

Zusammengestellt von Paul Sonntag

Das Evangelium nach Matthäus.

Das Matthäus-Evangelium wurde nach dem zuverlässigen Zeugnis der frühchristlichen Überlieferung von dem Apostel Matthäus (auch Levi genannt; vgl. Mt 9,9-13), einem Augenzeugen Jesu Christi, zwischen 40 und 60 n. Chr. niedergeschrieben. Er stellt Jesus Christus als den verheißenen Messias (gr. Christus) und König Israels dar, der von seinem Volk verworfen wird. Zahlreiche Hinweise auf erfüllte Prophetien des AT, der Stammbaum und die messianischen Wunderzeichen erweisen Jesus von Nazareth als den Sohn Davids, den Erlöser-König. Das Matthäus-Evangelium ist damit ein von Gott gegebenes Bindeglied zwischen AT und NT, das zeigt, wie die Botschaft des NT die Offenbarung des AT erfüllt und weiterführt. Es berichtet über fünf große Reden Jesu Christi, u.a. die Bergpredigt (Kap. 5-7) und die Endzeitrede über die Wiederkunft des Messias (Kap. 24-25) und handelt besonders ausführlich vom Königreich der Himmel, das auch in Gleichnissen dargestellt wird (Kap. 13). Wie alle Evangelien schließt es mit dem Zeugnis vom Opfertod Jesu Christi am Kreuz und seiner Auferstehung.

Das Evangelium nach Markus

Das Markus-Evangelium wurde von Johannes Markus, dem Neffen des Barnabas und Mitarbeiter von Paulus und Petrus, etwa 63-68 n. Chr. geschrieben (vgl. Apg 12,12.25; 2Tim 4,11). In ihm wird Jesus Christus in besonderer Weise als Dienender gezeigt, als der vollkommene Knecht Gottes, der auf die Erde kam, »um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele« (10,45). Es berichtet daher auch mehr über Taten als über Worte Jesu. Markus war kein Apostel; er zeichnete nach Aussagen früher christlicher Schreiber das Zeugnis des Apostels Petrus auf, dessen Mitarbeiter er damals war. Einige Besonderheiten des Evangeliums bestätigen dies. Sein Evangelium richtet sich in erster Linie an nichtjüdische Leser, denen er zahlreiche Gebräuche und Ausdrücke erklärt.

Das Evangelium nach Lukas

Das Lukas-Evangelium wurde etwa 59-64 n. Chr. von Lukas geschrieben, einem Arzt, der ein enger Mitarbeiter des Apostels Paulus war (vgl. Kol 4,14). Es wendet sich vorwiegend an nichtjüdische Leser und zeigt Jesus Christus in besonderer Weise als den menschgewordenen Sohn Gottes voll Erbarmen und Liebe und als Erlöser und Retter für die ganze Welt: »Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist« (19,10). Lukas hat diesen historischen Bericht unter der Leitung des Heiligen Geistes auf das Zeugnis der Apostel und anderer Augenzeugen aufgebaut, die er persönlich befragte. Das Lukas-Evangelium enthält die ausführlichste Schilderung der Ereignisse vor der Geburt Jesu Christi und während seiner Kindheitszeit (Kap. 1-3). Es enthält zahlreiche Gleichnisse über Errettung, die in keinem anderen Evangelium erwähnt werden (z.B. vom barmherzigen Samariter, vom reichen Narren und vom verlorenen Sohn).

Das Evangelium nach Johannes

Das Johannes-Evangelium wurde von dem Apostel Johannes (vgl. Joh 21,20-24) etwa 85-90 n. Chr. verfasst, vermutlich in Ephesus. Als Augenzeuge der göttlichen Herrlichkeit Jesu wurde er vom Heiligen Geist geleitet, Jesus Christus besonders als den Sohn Gottes zu offenbaren und als den, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Johannes betont, dass die Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus ewiges Leben empfangen und Gottes Kinder werden können (vgl. 1,12; 3,14-18; 3,36; 6,33.40.47; 14,6; 20,30-31). Sein Zeugnis ergänzt in vieler Hinsicht die anderen Evangelien; es berichtet über viele Handlungen und Lehren des Herrn Jesus Christus, die die anderen Evangelienschreiber nicht erwähnen, und lässt dafür vieles aus, was jene berichten. Es beginnt mit dem Zeugnis von der Gottheit und Herrlichkeit des Sohnes als des ewigen Wortes, das Fleisch wurde, d.h. wahrer Mensch (Kap. 1); es bezeugt die Notwendigkeit der Wiedergeburt und des Glaubens für die Errettung eines Menschen (Kap. 3); es offenbart Christus in den sieben »Ich bin«-Worten und berichtet von seinen Abschiedsreden an die Jünger sowie vom hohepriesterlichen Gebet Jesu (Kap. 13-17). Ziel und Zweck des Evangeliums finden wir in Joh 20,31.

Die Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte (w. »Taten der Apostel«) wurde wie das Lukas-Evangelium von dem Arzt Lukas ca. 60-64 n. Chr. geschrieben, einem Gehilfen und Begleiter des Apostels Paulus (Kol 4,14). Sie ist ein inspirierter geschichtlicher Bericht über das Wirken des erhöhten Christus durch seine Apostel und über die Ausbreitung des Evangeliums von Christus von Jerusalem bis an die Enden der Erde. Am Beginn steht die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten und damit die Entstehung der Gemeinde aus dem gläubigen Überrest Israels, gefolgt von der Verkündigung der Botschaft von dem auferstandenen Christus an Israel, die von den Führern Israels verworfen wird (Kap. 1-7). Von da an schildert die Apostelgeschichte den Übergang von Gottes Heilshandeln von Israel zu den Heiden, die Ausbreitung des Evangeliums in Samaria, die Berufung des Paulus und die Bekehrung der ersten Heiden zu Christus (Kap. 8-12). Daran schließt sich der Bericht über den Dienst des Paulus als Apostel der Heiden in Kleinasien und Griechenland an (Kap. 13-28). Das Buch zeigt das Wirken des Heiligen Geistes bei der Evangeliumsverkündigung und beim Aufbau der jungen Gemeinden und vermittelt viele Informationen zum Verständnis der apostolischen Lehrbriefe.

Der Brief des Apostels Paulus an die Römer

Der Apostel Paulus schrieb den Römerbrief während seiner dritten Missionsreise (ca. 56 n. Chr.) aus Korinth. Er lehrt ausführlich das Evangelium, die Heilsbotschaft Gottes von Jesus Christus. Er macht klar, dass alle Menschen in Gottes Augen verlorene Sünder sind und durch keinerlei eigene Bemühungen (»Werke«) vor Gott gerecht werden können. Gott selbst schafft ihnen aus Gnade eine vollkommene Gerechtigkeit durch das Sühnopfer seines Sohnes am Kreuz: Das stellvertretende Sterben Jesu Christi für uns, sein am Kreuz für uns vergossenes Blut sühnt unsere Schuld rechtswirksam vor Gott. Diese von Christus gewirkte »Gerechtigkeit Gottes« wird dem angerechnet, der sie im Glauben annimmt (Kap. 1-5). Der Gläubige wird durch die Wiedergeburt und den Empfang des Heiligen Geistes in eine Todes- und Lebensgemeinschaft mit Christus gebracht, die ihn befähigt, in der Kraft eines neuen Lebens für Gott zu leben (Kap. 6-8). Auch Israel, das beiseite gesetzt wurde, weil es den Messias verwarf, wird am Ende der Zeiten wieder in Gottes souveränes Heilshandeln einbezogen (Kap. 9-11). Der letzte Abschnitt des Briefes (Kap. 12-16) lehrt die Gläubigen, wie sie angesichts der empfangenen Gnade Gottes ein hingegebenes, von der Liebe Jesu Christi bestimmtes Leben nach dem Willen Gottes führen können.

Der erste Brief des Apostels Paulus an die Korinther

Der Apostel Paulus schrieb den 1. Korintherbrief etwa 54-56 n. Chr. während seines Aufenthalts in Ephesus. Sein Hauptzweck ist, die Gemeinde in Korinth (vgl. Apg 18,1-18) wie auch alle Gläubigen weltweit über die geistliche Ordnung in der Gemeinde Gottes zu unterweisen. Die junge Gemeinde in der sittlich verderbten Großstadt hatte mit heidnischen Einflüssen und der fleischlichen Haltung der noch unreifen Gläubigen, mit Parteigeist, Hochmut, Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde und Missbrauch von Gnadengaben zu kämpfen. Paulus lehrt sie, wie sie sich richtig verhalten und nach den Ordnungen Gottes leben sollten. Wir finden daher viele praktische Anweisungen über Ehe und Ehescheidung, über das Verhalten der Frauen in der Gemeinde, über das Mahl des Herrn, über Gemeindezucht und den rechten Gebrauch von Gnadengaben (Kap. 12-14). Paulus widerlegt auch falsche Lehren über die Auferstehung der Gläubigen und belehrt sie über die Bedeutung der Auferstehung in Gottes Heilsplan (Kap. 15).

Der erste Brief des Apostels Paulus an die Korinther

Der Apostel Paulus verfasste den 2. Korintherbrief etwa 55-57 n. Chr. in Mazedonien. Seine Absicht ist hauptsächlich die Bereinigung des gespannten Verhältnisses zu den Korinthern. Einige sprachen Paulus die göttliche Berufung zum Aposteldienst ab und verleumdeten ihn, so dass er gezwungen war, sich zu verteidigen. Diese Umstände nimmt der Geist Gottes zum Anlass, um uns durch Paulus ein eindrückliches Vorbild für die Gesinnung und den Wandel eines Dieners des Herrn vor Augen zu stellen (Kap. 1-7; 10-13). Die Worte des Apostels haben schon ungezählten Gläubigen Trost und Ermutigung in Anfechtungen und Bedrängnis gegeben. Die Sammlung von Gaben für die Not leidenden Gläubigen in Judäa gibt Anlass zu Belehrungen über freudiges, freiwilliges Geben (Kap. 8-9). Der Brief enthält aber auch wichtige Aussagen über die Beziehung des Gläubigen zu Christus (u.a. 3,17-18; 4,1-6; 5,14-21), über die Gefahr der Verführung in der Gemeinde (Kap. 11) und die notwendige Trennung der Gläubigen von der Welt und verkehrten Einflüssen (6,14-7,1).

Der Brief des Apostels Paulus an die Galater

Diesen Brief schrieb der Apostel Paulus vermutlich um 50 n. Chr. an verschiedene Gemeinden in der römischen Provinz Galatien im Gebiet der heutigen Türkei (vgl. Apg 16,6; 18,23). Der Brief diente vor allem der Abwehr gegen Irrlehrer aus Jerusalem, die behaupteten, die Gläubigen müssten sich beschneiden lassen und das Gesetz des Mose halten, um gerettet zu werden. Zugleich stellten sie die Autorität von Paulus als Apostel der Heiden in Frage. Paulus betont dagegen den göttlichen Ursprung des von ihm verkündigten Evangeliums der Gnade und begegnet ihren Verleumdungen mit einem persönlichen Zeugnis (Kap. 1-2). Er belehrt die Galater aus der Schrift darüber, dass die Gläubigen in Christus dem mosaischen Gesetz nicht unterworfen sind und ihre Errettung allein durch den Glauben an Christus geschieht; diese Ausführungen weisen viele Bezüge zum Römerbrief auf (Kap. 3-4). Er zeigt ihnen auch, dass die Freiheit in Christus nie eine Freiheit für das Fleisch und die Sünde sein kann und lehrt sie, in der Kraft des Heiligen Geistes zu leben (Kap. 5-6).

Der Brief des Apostels Paulus an die Epheser

Der Apostel Paulus hat den Epheserbrief vermutlich um 60 n. Chr. aus der Gefangenschaft in Rom geschrieben; er ist an die Gläubigen in Ephesus gerichtet, einer damals bedeutenden Welt- und Hafenstadt an der Küste Kleinasiens (vgl. Apg 19). Im ersten Teil (Kap. 1-3) enthält er grundlegende Lehre über die Ratschlüsse Gottes mit der Gemeinde, die zuvor ein Geheimnis waren, nun aber von Paulus geoffenbart wurden. Paulus zeigt den Gläubigen den Reichtum an Gnade und die Segnungen, die Gott der Vater in Christus für seine geliebten Kinder bereithält, die Stellung der Gläubigen in Christus und das Wesen der Gemeinde als Leib des Christus. Im zweiten Teil (Kap. 4-6) zeigt der Apostel, wie die Gläubigen ihre himmlische Stellung und Berufung in Christus in einem heiligen, geistlich fruchtbaren Lebenswandel verwirklichen können, sowohl als Gemeinde (4,1-16) als auch im persönlichen Leben (4,17-5,21). Die gottgewollte Beziehung zwischen Mann und Frau wird ausführlich und tiefgründig behandelt, aber auch die Beziehung zwischen Kindern und Eltern und zwischen Vorgesetzten und Untergebenen (5,22-6,9). Der Brief schließt mit der Ermahnung, den geistlichen Kampf, in den jeder Gläubige gestellt ist, recht zu führen und dabei die Waffenrüstung Gottes und besonders das Gebet zu gebrauchen (6,10-20).

Der Brief des Apostels Paulus an die Philipper

Der Philipperbrief wurde von dem Apostel Paulus etwa 61-63 n. Chr., gegen Ende seiner ersten Gefangenschaft in Rom, geschrieben und ist an die Gemeinde in der römischen Kolonie Philippi in Mazedonien (Griechenland) gerichtet (vgl. Apg 16,11-14). Diese Gemeinde, die offensichtlich Verfolgung erleiden musste, nahm regen Anteil an seinem Dienst und sandte ihm durch einen Boten, Epaphroditus, Unterstützung nach Rom. In seinem Dankesbrief lobt Paulus besonders ihre geistliche Gesinnung und ermuntert sie, in der Gesinnung des Christus zu wachsen; dabei stellt er ihnen den Herrn selbst als Vorbild hin (2,5-11). Das persönliche Bekenntnis des Paulus (Kap. 3) zeigt uns das Vorbild eines geistlich reifen Dieners des Christus, der ganz für seinen Herrn lebt, dem Christus alles geworden ist. Die Freude mitten in Anfechtungen, die herzliche Liebe Jesu Christi und die völlige Hingabe an den Herrn bilden den Grundton dieses Briefes.

Der Brief des Apostels Paulus an die Kolosser

Der Kolosserbrief wurde von dem Apostel Paulus etwa 60 n. Chr. aus der ersten Gefangenschaft in Rom geschrieben. Er ist an die Gemeinde der Stadt Kolossä in Kleinasien gerichtet, die östlich von Ephesus liegt. Sein Anlass ist u.a. das Auftreten von Irrlehrern, die durch heidnisch-gnostisches Gedankengut beeinflusst waren und die Gläubigen für asketisch-mystisch geprägte Lehren gewinnen wollten. Demgegenüber betont der Brief die Vorrangstellung Jesu Christi, des Sohnes und Ebenbildes Gottes (Kap. 1), in dem die ganze Fülle Gottes wohnt, und sein vollkommenes Erlösungswerk am Gläubigen, zu dem nichts hinzugetan werden muss. Paulus zeigt den Gläubigen, dass sie ihrer Stellung nach mit Christus gestorben und auferstanden und in den Himmel versetzt sind. Deshalb sollten sie sich nicht von irdisch-äußerlichen, menschengemachten religiösen Vorschriften von Christus ablenken lassen (Kap. 2). Christus allein genügt für den Gläubigen völlig - das ist die zentrale Botschaft des Kolosserbriefes. Daraus ergeben sich Konsequenzen für das praktische Leben, auf die im dritten Abschnitt des Briefes eingegangen wird (Kap. 3-4).

Der erste Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher

Etwa 50 n. Chr. schrieb Paulus diesen Brief vermutlich aus Korinth an die Gemeinde in der blühenden mazedonischen Handels- und Provinzhauptstadt Thessalonich. Paulus will die durch seine Verkündigung entstandene junge Gemeinde (vgl. Apg 17,1-9), die bereits schwere Verfolgungen erdulden musste, ermuntern und in der Hoffnung auf den wiederkommenden Herrn bestärken. Am Vorbild des Paulus sehen wir die Haltung, mit der Gott das Evangelium verkündigt haben will (1,5; 2,1-12), sowie die liebevolle Fürsorge des Dieners Gottes für die Gemeinde (3,1-13). Paulus zeigt den Gläubigen die Wichtigkeit der Heiligung in ihrem Leben (4,1-8) und unterweist sie über die Auferstehung der Toten in Christus sowie die Entrückung der Gemeinde (4,13-18). Er betont, wie wichtig Wachsamkeit und Nüchternheit sowie geistliche Gemeinschaft und Ermunterung für die Gläubigen sind.

Der zweite Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher

Dieser Brief wurde von dem Apostel Paulus etwa 50 n. Chr. vermutlich aus Korinth an die Gemeinde in Thessalonich geschrieben. In der verfolgten Gemeinde war offensichtlich Verwirrung aufgetreten, ausgelöst durch Irrlehrer und falsche Offenbarungen. Manche meinten wohl, der »Tag des Christus«, d.h. der im AT bezeugte schreckliche Gerichtstag des Herrn sei bereits angebrochen (2Th 2,1-3), und waren deshalb beunruhigt oder gaben sogar ihr geregeltes Leben auf. Paulus ermuntert die angefochtenen Gläubigen zunächst wegen der Verfolgungen, die sie erdulden mussten, indem er sie auf den kommenden Triumph hinweist, den sie im Gefolge des zum Gericht kommenden Christus erleben dürfen (Kap. 1). Er zeigt ihnen dann, dass dieses Kommen des Herrn Jesus Christus noch nicht geschehen sein konnte, weil es an bestimmte Voraussetzungen gebunden war, u.a. den Abfall der Christenheit und das Auftreten des »Menschen der Sünde«. Er zeigt, dass das Kommen des Antichristen nach Gottes Ratschluss von falschen Wunderzeichen und dem Wirken von Verführungsmächten gekennzeichnet sein wird, denen alle verfallen werden, die die Wahrheit nicht lieben; die gläubigen Thessalonicher dagegen durften zuversichtlich sein, dass Gott sie rettet (Kap. 2). Was sie nun brauchten, war der Blick auf die Treue des Herrn und Nüchternheit und Zucht in ihrem Lebenswandel (Kap. 3).

Der erste Brief des Apostels Paulus an Timotheus

Der Apostel Paulus schrieb diesen Brief etwa 64-65 n. Chr. vermutlich aus Mazedonien an seinen Gehilfen Timotheus in Ephesus. Es ist davon auszugehen, dass sich Paulus zur Zeit der Abfassung auf seiner letzten Missionsreise befand, nach seiner Freilassung aus der ersten römischen Gefangenschaft und vor seiner Verhaftung, die ihn wieder nach Rom in die Gefangenschaft führte. Dies ist eine der letzten Schriften des Paulus. Er enthält Aussagen über bevorstehende verderbliche Entwicklungen in der Gemeinde Gottes, wie sie nach der Apostelzeit auch eintraten. Paulus gibt Anweisungen an treue Diener Gottes, wie der Dienst im Haus Gottes in einer Zeit des geistlichen Niedergangs und der Verführung durchgeführt werden soll. Dabei behandelt er u.a. die wahre Gottesfurcht der Gläubigen, die Bedeutung der gesunden Lehre, das Gebet der Gemeinde, die Stellung der Frau, den Dienst der Aufseher (Ältesten) und Diener (Diakonen) sowie den Umgang mit Geld.

Der zweite Brief des Apostels Paulus an Timotheus

Dieser Brief wurde von dem Apostel Paulus am Ende seines Lebens, etwa 66 n. Chr., aus der zweiten römischen Gefangenschaft an seinen Gehilfen Timotheus geschrieben. Er enthält in gewissem Sinn das geistliche Vermächtnis des Apostels an die nachfolgenden Generationen von Gläubigen, die angesichts der Verführung und des Abfalls in der Christenheit den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen haben. Daher betont Paulus seinen apostolischen Auftrag, das Wort Gottes zu verkündigen, und ermahnt Timotheus, dieses Wort Gottes, das »edle anvertraute Gut«, mit aller Kraft zu verteidigen, zu lehren und zu verkündigen. Der Geist Gottes gibt durch den letzten Brief des Paulus prophetische Ausblicke auf die endzeitliche Verderbnis in der Christenheit und warnt vor der Verführung in der Gemeinde. Für alle, die ihrem Herrn treu bleiben wollen, gibt der 2. Timotheusbrief wichtige Anweisungen für geistlich fruchtbaren Dienst.

Der Brief des Apostels Paulus an Titus

Etwa 65 n. Chr. wurde dieser Brief von dem Apostel Paulus an seinen Mitarbeiter Titus (vgl. Gal 2,1-3 u.a.) nach Kreta geschrieben. Er steht dem 1. Timotheusbrief inhaltlich nahe. Zunächst gibt Paulus Richtlinien für den Dienst der Ältesten oder Vorsteher und mahnt zur entschiedenen Abwehr gegen Verführer und Anhänger von Irrlehren (Kap. 1). Dann geht Paulus auf das Leben der Gläubigen ein, die durch ihren praktischen Wandel die heilbringende Gnade Gottes bezeugen und durch gute Werke ihren Herrn und Erlöser ehren sollen. Dabei legt Paulus besonderen Wert auf geistliche Charaktereigenschaften wie Besonnenheit, Nüchternheit, Ehrbarkeit, Heiligkeit, die sich klar von der moralischen Verdorbenheit dieser Welt abgrenzen (Kap. 2-3).

Der Brief des Apostels Paulus an Philemon

Diesen Brief schrieb der Apostel Paulus um etwa 60 n. Chr. (zusammen mit dem Kolosserbrief) aus der ersten Gefangenschaft in Rom. Er ist der kürzeste und persönlichste Brief des Apostels im NT. Paulus schreibt dem Christen Philemon aus der Gemeinde in Kolossä, der offensichtlich durch ihn zum Glauben kam, und verwendet sich für den Sklaven Onesimus, der dem Philemon entlaufen war und durch Paulus in Rom zu Christus gefunden hatte. Mit diesem Begleitschreiben sandte er ihn zu seinem Herrn zurück. Der Brief ist ein schönes Beispiel für die herzliche Liebe und ungeheuchelte Demut, die Paulus kennzeichneten.

Der Brief an die Hebräer

Von einem ungenannten Verfasser zwischen 60 und 68 n. Chr. geschrieben (viele Ausleger gehen davon aus, dass es der Apostel Paulus war), richtet sich dieser Brief an eine Gemeinde oder größere Gemeinschaft von Christen jüdischer Herkunft (»Hebräer«). Sein Ziel ist zunächst, diese Gläubigen davor zu warnen, unter dem Druck der Verfolgung Jesus Christus als den Messias zu verleugnen. Doch der Hebräerbrief richtet sich darüber hinaus an alle Gläubigen und enthält wichtige Offenbarungen Gottes über seinen Sohn. Er zeigt, dass die Herrlichkeit Jesu Christi, des Sohnes Gottes, hoch erhaben ist über alle Engel und Geschöpfe (Kap. 1). Er bezeugt die Überlegenheit des himmlischen Hohepriestertums Jesu Christi, der seinen Dienst im wahren, himmlischen Heiligtum ausübt, und dessen vollkommenes Sühnopfer eine vollkommene Errettung bewirkt. Dagegen sind die Opfer im irdischen Heiligtum unvollkommen, und der aaronitische Priesterdienst ist nur ein Schattenbild des himmlischen (Kap. 2,17-10,25). Der Brief enthält auch viele Ermunterungen für die Gläubigen, die auf das Vorbild der at. Glaubenshelden hingewiesen werden (Kap. 11) und ermuntert werden, auf Jesus Christus zu schauen und so alle Versuchungen zu überwinden (Kap. 12). Der Brief schließt mit praktischen Ermahnungen für die Gemeinde (Kap. 13).

Der Brief des Jakobus

Dieser Brief wurde vermutlich von Jakobus, dem Bruder des Herrn Jesus Christus, einem der Leiter der Gemeinde in Jerusalem, zwischen 40 und 49 n. Chr. geschrieben und dürfte eine der ältesten neutestamentlichen Schriften sein. Er ist offenkundig an Judenchristen gerichtet, die zerstreut unter den Heiden lebten, doch der Heilige Geist hat in ihm wertvollen Zuspruch für alle Gläubigen gegeben. Jakobus spornt an zu einem praktischen, konsequenten Glaubensleben, das sich auch in der Anfechtung bewährt (1,1-18), und ermahnt uns, Täter des Wortes Gottes und nicht nur Hörer zu sein (1,19-27). Er warnt vor dem Ansehen der Person (2,1-13). Wahrer Glaube zeigt sich immer in entsprechenden Taten (»Werken«); ein bloßes Lippenbekenntnis kann niemand retten (2,14-26). Diese Aussage steht nicht im Widerspruch zu der Lehre des Römerbriefes, dass kein Mensch durch Werke des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern allein durch den Glauben. Jakobus warnt ernst vor den Sünden der Zunge (3,1-12), vor Streitsucht und Begehrlichkeit und vor der Freundschaft mit der Welt, die Feindschaft gegen Gott ist (3,13-5,6). Eine Ermunterung zum geduldigen Ausharren und zum gläubigen, ernstlichen Gebet beschließt den Brief (5,7-20).

Der erste Brief des Apostels Petrus

Der Apostel Petrus schrieb diesen Brief etwa 60-63 n. Chr. an eine Reihe von Gemeinden in Kleinasien, die unter Verfolgung zu leiden hatten. Er ist ein ermutigender Trost- und Erbauungsbrief für alle Gläubigen, besonders für solche, die angefochten und verfolgt sind. Petrus stellt seinen Lesern zunächst die Hoffnung der Christen vor Augen, das himmlische Erbe und die Vereinigung mit Christus, angesichts dessen alle Prüfungen ertragen werden können (1,1-12) und mahnt sie zu einem heiligen Wandel (1,13-25). Er zeigt ihnen ihre hohe Berufung als das Haus Gottes und das heilige Priestertum (2,1-10) und lehrt sie dann, wie sie als Christen ihr Leben zur Ehre des Herrn führen können (2,11-4,6) und wie sie in der Gemeinde Gott wohlgefällig dienen können, wobei er besonders auch auf den Dienst der Ältesten eingeht (4,7-5,14). In seinem Brief weist er immer wieder auf den Herrn Jesus Christus und seinen Opfertod für uns hin und betont die Stellung der Gläubigen als Fremdlinge und Wanderer ohne Bürgerrecht hier auf Erden.

Der zweite Brief des Apostels Petrus

Dieser Brief wurde von dem Apostel Petrus etwa 64-67 n. Chr., kurz vor seinem Tod geschrieben. Anlass dieses Briefes ist offenkundig der Einfluss von Irrlehrern, die die Wiederkunft Jesu Christi als König und Richter auf Erden leugneten. Gegen ihren Spott über das fehlende Eintreffen der prophetischen Verheißungen bekräftigt Petrus die Gewissheit des inspirierten prophetischen Wortes von AT und NT (1,16-21; 3,1-12), wobei er die Autorität der Apostellehre und besonders der Briefe des Paulus als heilige Schriften unterstreicht. Viel Raum ist der ernsten Abrechnung mit den Irrlehrern in der Gemeinde gewidmet (Kap. 2). Dieses Zeugnis ergänzt und bestätigt die Aussagen der Paulusbriefe über die endzeitliche Verführung in der Gemeinde und wird später vom Judasbrief unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den 2. Petrusbrief aufgegriffen und bekräftigt (Jud 4-14; 17-18). Der große Gerichtstag des Herrn über die Ungläubigen wird gipfeln in der Vernichtung der jetzigen Himmel und der Erde in Feuerflammen. Die Gläubigen dagegen sollen gottesfürchtig und heilig leben in Erwartung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (Kap. 3).

Der erste Brief des Apostels Johannes

Der letzte überlebende Apostel Johannes schrieb diesen Brief ca. 90 n. Chr. vermutlich in Ephesus. Er steht in enger Beziehung zu dem von ihm verfassten Evangelium. Der Brief sollte die Gläubigen am Ende der apostolischen Zeit vor aufkommenden Irrlehren (besonders gnostischer Art) und falschen Propheten warnen und ihnen die Unterscheidung von Echt und Falsch im Glaubensleben ermöglichen. Er ist eine prophetische Mahnung für die »letzte Stunde« und ruft die wahren Kinder Gottes auf, in einer Zeit des geistlichen Verfalls und der Verführung an der Wahrheit des Wortes Gottes, an echter Liebe und entschiedener Absonderung von der Welt festzuhalten. Er betont die Wichtigkeit eines Wandels im Licht, während die Irrlehren, die er bekämpft, praktizierte Sünde und Gesetzlosigkeit förderten. Jesus Christus wurde als der im Fleisch gekommene (menschgewordene) Sohn Gottes geleugnet; es gab falsche Propheten, durch die der Geist der Irreführung wirkte. Daher sollen die Gläubigen die Geister prüfen, ob sie von Gott stammen. Der ganze Brief ist durchzogen vom Zeugnis der großen Liebe des Vaters, der seinen Sohn für sündige Menschen gab, und dem Aufruf, diese Liebe mit ungeheuchelter Gegenliebe zu beantworten.

Der zweite Brief des Apostels Johannes

Um ca. 90 n. Chr. wurde dieser Brief von dem Apostel Johannes offensichtlich an eine hochgestellte, verwitwete Christin gerichtet; nach manchen Auslegern ist eine Gemeinde angesprochen. Sein Thema ist die notwendige Wachsamkeit und Absonderung der wahren Gläubigen gegenüber den antichristlichen Verführungen, die in der Gemeinde wirksam sind.

Der dritte Brief des Apostels Johannes

Dieser Brief (ca. 90 n. Chr. entstanden) wurde von dem Apostel Johannes offenkundig an einen Gläubigen geschrieben, der durch ihn zu Christus gefunden hatte und in dessen Gemeinde bereits verderbliche Einflüsse aufgetreten waren. Er zeigt das Wesen falscher Führer auf, die in der Gemeinde herrschen wollen (vgl. Apg 20,29-30), und ermutigt die Gläubigen, trotz verkehrter Entwicklungen am Tun des Guten und an der Wahrheit festzuhalten.

Der Brief des Judas

Etwa 68 n. Chr. wurde dieser Brief von Judas, dem Bruder des Herrn Jesus (vgl. Mk 6,3) geschrieben. Er weist viele inhaltliche Bezüge zum 2. Petrusbrief auf, den er als wichtiges zweites Zeugnis ergänzt (vgl. 2Kor 13,1). Er warnt eindringlich vor der Gefahr verführerischer Irrlehren in der Gemeinde und kennzeichnet das Wesen der heimlich eingedrungenen betrügerischen Lehrer und Propheten als Werkzeuge der Bosheit, die für das Gericht Gottes aufbewahrt sind. Vor solchen Verführern sollen alle Gläubigen sich hüten und für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben kämpfen.

Die Offenbarung Jesu Christi durch Johannes

Das Buch der Offenbarung wurde von dem Apostel Johannes etwa 94-96 n. Chr. auf der Insel Patmos geschrieben, auf die er unter Kaiser Domitian verbannt worden war. Dieses Buch bildet den krönenden Abschluss der göttlichen Offenbarungen der Heiligen Schrift. Es ist das Buch der Vollendung, so wie das 1. Buch Mose das Buch der Anfänge ist. In himmlischen Gesichten zeigt der Heilige Geist, wie Gott, der Allmächtige, durch Jesus Christus alle seine Ratschlüsse ausführt, alle seine Verheißungen und prophetischen Worte an das Volk Israel, an die Gemeinde und an die Heidenvölker erfüllt, das Zorngericht über die sündige Welt bringt und schließlich sein Heil vollendet in dem neuen Himmel und der neuen Erde. Zu Beginn wird uns Jesus Christus, der erhöhte und verherrlichte Sohn Gottes, in seiner richterlichen Vollmacht gezeigt (Kap. 1). Dann folgen prophetische Botschaften des erhöhten Christus an seine Gemeinde, dargestellt durch die sieben Gemeinden in Kleinasien (Kap. 2-3). Diese Botschaften decken das Abweichen der Gemeinde vom göttlichen Weg und ihren Verfall auf und ermahnen den treuen Überrest der Gläubigen, bei ihrem Herrn und seinem Wort zu bleiben. In Kap. 4-19 entfaltet sich in einer Reihe von Gesichten die Verwirklichung der endzeitlichen Gerichte und der Königsherrschaft Gottes. In ihnen wird auf zahlreiche at. Prophezeiungen Bezug genommen, ohne deren Kenntnis das Buch der Offenbarung unverständlich bleibt. Den Abschluss bildet das Endgericht über alle Menschen, die in ihren Sünden gestorben sind und wie der Satan und seine Engel zur ewigen Strafe in den Feuersee geworfen werden (Kap. 20). Für die Erlösten beginnt eine Zeit vollkommenen Friedens und unbeschreiblicher Herrlichkeit in dem neuen Jerusalem (Kap. 21). Am Schluss der Offenbarung (22,17) steht die ernste Ermahnung an jeden Leser, doch das Heil in Jesus Christus zu ergreifen, solange noch Gelegenheit ist. »Ja, ich komme bald! Amen. - Ja, komm, Herr Jesus! « (22,20).

 

   
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