Alles – was in mir ist1

Wer hatte noch nie die ersten Verse Psalm 103,1-2 gelesen, gerne gehört und mitgebetet? Dort steht: „Von David. Lobe JHWH, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe JHWH, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“!

Es ist uns also geboten, SEINEN Namen „ICH BIN, der ICH BIN2“ (2.Mo 3,13-14) – unseren Gott, der aus sich selbst existiert, der sich selbst genügt, ewig und souverän ist - zu heiligen. SEIN Name ist ausgesondert, geweiht und rein. Ein Name, der über allen Namen ist (Phil 2,9). Beachten wir mit Ehrfurcht: Zu diesem Namen hin sind wir ausgesondert, geheiligt und würdig des Evangeliums Christi (Phil 1,27).

Ist dies so bei jedem von uns?

Es ist nicht unbedeutend, dass gleich am Beginn von Psalm 103 vermerkt ist: „Von David (Offb 3,7)“. Denn es geht um das Persönliche in diesem Psalmwort, und David geht so auch konsequent im Heiligen Geist den heilsamsten Weg, indem er beginnt mit den Worten: „Lobe JHWH, meine Seele“.

Dieser von Herzen kommende Lobpreis lässt erkennen, dass David von seinem Dasein wegschaut und sein Herz auf Gott den Allmächtigen ausrichtet. Er befiehlt daher seinem ganzen Wesen – allem, was ihn selber ausmacht, eindringlich: Lobe IHN, lobe JHWH“!

Das soll die Kernaussage dieser Predigt werden: Alles – alles, was in mir ist. Und gleich darauf ruft er noch ein weiteres Mal seinem ganzen Charakterwesen zu, so als hätte er Bedenken, dass einmal nicht genug wäre: „Lobe JHWH – ALLES“

Was steckt hinter dem Ausruf „Alles“? Es ist die innerste Substanz unseres Menschseins! Dieses schreckhafte und gleichzeitig erschreckende Bestimmt-Sein … von klein auf … manchmal als hilflose Schwache, dann wieder als aufbrausendes Inneres. Dies ist der Kern unserer Persönlichkeit – unser „Fleisch“ - unbeugsam und kaum veränderbar. Dies beeinflusst unser Leben von frühester Kindheit an bis zu unserem Sterbetag .… in der Schule; in der Familie; vor dem Chef; im Allein-Sein und auch - wenn wir ehrlich und demütig sind - manchmal in der Gemeinde.

Das ist es, was dir Unruhe bringt, was dich wach hält in langen, finsteren Nächten; was dich innerlich aufputscht. Dein Inneres ist da und wirkt und wirkt!

Auch jetzt, hier und heute – es lässt dich zuhören oder abschweifen - ob es uns passt oder nicht. Ja, unser Inneres ist doch erzogen worden von unseren Eltern, in der Ehe, im Alleinsein, von Lehrern, der Gesellschaft, der Arbeitsstelle aber auch von vielen nicht alltäglichen Umständen - wir haben uns eingefügt in die Gesellschaft.

Aber im Grunde, im Innersten sind wir allezeit die Gleichen geblieben.

Alles – was in mir ist“.

Streckenweise können wir das kaschieren, aber leugnen können wir es nicht.

Auf jeden Fall nicht vor DEM, der uns dauernd ins Herz schaut – vor DEM nichts verborgen bleibt (2. Chr 16,9a; Jer 16,17).

Es könnte dem, der Gottes Wort nicht in Seiner ganzen Tiefe kennt, bei dieser Aussage vielleicht die vorwurfsvolle Frage entgleiten: »Warum, o Gott ? Warum nur hast Du mich so gemacht ? – Warum bin ich so, wie ich bin ?«

Wir wissen aber - und da finden wir den Grund und die Ursache von allem, was in uns ist – ,dass der Mensch von Gottes Geboten abgewichen ist (1. Mo 3,1-24).

Nun - wer kann in Abrede stellen, dass sich bei uns, als wir zum Glauben an unseren Heiland und Erlöser kamen, nichts verändert hat? Unsere Familie, Bekannten und Freunde werden dies schon festgestellt haben. Unser Glaube ist bekannt. Wir wirken vielleicht nicht mehr so zaghaft oder so aufbrausend; wir scheinen toleranter und freundlicher geworden zu sein. Aber hat sich die Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5,22) in allem, was in uns ist, ausgebreitet?

Seien wir ehrlich - das Leben, das Zusammenleben, die geistliche Gemeinschaft schafft neue Situationen, dass alles, was in uns ist – egal ob wir es positiv oder negativ bewerten – manchmal unverändert wieder ausbricht.

Wir kämpfen wohl immer wieder gegen Versuchungen, gegen Sünden, Dinge und Zustände, in denen wir nicht von anderen erkannt werden wollen, weil sie doch wissen, dass wir uns zur Nachfolge Jesu Christi bekennen.

Dies alles ist ist unser Zustand. Nun verstehen wir den Apostel Paulus besser: Röm 7,18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. Aber genau wie Paulus die unverbrüchliche Zuversicht und Hoffnung hatte, mit und durch unseren Herrn Jesus (Joh 15,4-5) den Sieg davonzutragen (Phil 3,12-14), können wir dies auch haben.

Haben wir Christus im Herzen, dann haben wir Sündenvergebung, wir dürfen zu IHM rufen und werden errettet – wir haben in IHM die heilsame Adresse, an die wir uns wenden können bezüglich unserer allgegenwärtigen inneren Plage. Selber kämpfen wir einen oberflächlichen Kampf. Manchmal ist es ein permanentes Verkrampft-Sein im Augenscheinlichen, ein endloses Auf und Ab. In Christus gilt für uns – und diese Tatsache ist ständig erfahrbar: Röm 6,14 Die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.

Was mich betrifft - seit ich den Glauben angenommen habe, dass Christus für mich gestorben ist und ich mit-gestorben bin, herrschte z. B die Tabaksucht nicht mehr über mich. Damit war es aus mit dieser Macht, mit dieser Sucht. Aber mein inneres Wesen hat das nicht tangiert. Das heißt: mein innerster fleischlicher Charakter ist davon unbeeinflusst geblieben. Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Du erreichst den anderen Menschen nicht im Inneren, maximal nur seine Fassade.

Da kann ich reden, was ich will – es nutzt nichts; da kann ich schreiben, was ich will; da kann ich noch so überzeugend predigen, wirken; bitten kann ich, schreien, drohen, ermahnen … das Innerste des Menschen wird stur bleiben wie ein Felsblock.

Ob der Mensch dabei gläubig ist oder nicht, spielt prinzipiell keine Rolle.

Betrachten wir nun diese Tatsache im Wort Gottes, dann wird es für manche überraschend sein, den unveränderbaren Charakter biblischer Personen zu entdecken.

Ich möchte empfehlen, das in stillen Stunden zu Hause genauer zu untersuchen - da gehen einem die Augen auf und vielleicht erkennen wir auch unser eigenes Inneres besser.

Nehmen wir nur die Beispiele von Gideon, Simson, Mose, Abraham – um einige weitgehend ›positive‹ Gestalten des AT zu nennen.

Wie war es denn z. B. mit Gideon? Er tat sehr wohl, was Gott wollte, aber es blieb auch das wirksam, »was in ihm« war. Gideon (sein Name bedeutet „der Abhauende / der [Baum-] Fäller) durfte, weil Gott seine Ängstlichkeit mit einrechnete, sogar seinen Knecht Pura mitnehmen, wenn er sich fürchtete, allein die Midianiter heimlich zu belauschen (Ri 7,10-11).

Ja – Gideons Unsicherheit wurde von Gott sogar beim zweimaligen Auslegen des Vlieses als Bestätigung toleriert (Ri 6,36-40) – eine ganz individuelle Führung.

Gott spricht ihn anfangs an mit den Worten: „JHWH mit dir, du streitbarer Held … (Ri 6,12) an. Von ›streitbar‹ und ›Heldentum‹ wusste Gideons Innerstes da allerdings noch nichts - es war ängstlich und voll Furcht. Wenn wir da an uns denken - naja! Und doch wurde ein Glaubensheld aus ihm durch Gottes Gnade.

Es geht hier ja auch nicht um Mann oder Frau – wir sind alle allzumal gleich. Sehen wir uns daher auch zwei Frauen dazu an: Was hat die Sarah veranlasst, über Gottes Verheißung bzgl. eines Sohnes zu lachen (1.Mo 18,12)? Und was hat Rebekka dazu getrieben, trotz der Verheißung: Der Ältere wird dem Jüngeren dienen (1. Mo 25,23), den Jüngeren zum Betrug ums Erstgeburtsrecht anzuleiten?

Wir finden aber auch im NT Beispiele dazu. Wir müssen nicht nur über Ananias und Saphira reden (Apg 5,1f) – deren Innerstes in der Stunde offensichtlichster Wirksamkeit des Heiligen Geistes das Lügen nicht lassen konnte. Von Demas, der die Welt wieder liebgewann (2.Tim 4,10), oder von Hymenäus und Alexander und Philetus, deren Innerstes sie in den geistlichen Ruin und Abfall getrieben hat3 .

Wir können auch Petrus erwähnen. Was war es denn, was in Petrus jedes Mal gewirkt hat, als er Jesus drei Mal verleugnet hat? Alles! Alles – was in ihm war!

Jesus wusste sehr wohl, was in Petrus war und Er hinderte es nicht an seiner Wirkung. Dies war gut für Petrus, wie wir wissen (Joh 21,15-17).

Was war es denn, was den Psalmisten im Heiligen Geist dazu bewegt hat, für uns diese so klare Aufforderung niederzuschreiben?

Wie ist uns jetzt ums Herz, wenn wir noch einmal hören: Ps 103,1-2 Von David. Lobe JHWH, meine Seele, und alles, was in mir ist …

Alles – was in mir ist! Alles - auch das Kranke, das Ungesunde, das Unberechenbare.

Es gibt aber eine Lösung für unseren Herzenskonflikt.

Haben wir uns schon einmal gefragt, was wohl einen der reinsten menschlichen Charaktere der Bibel innerlich angetrieben hat – den Daniel; warum er drei Mal täglich beim offenen Fenster gegen Jerusalem hin zu seinem Gott gebetet hat? Warum er sich der heidnischen Speisenkarte entzieht, um sich nicht zu verunreinigen (Dan 1,8)?

Frage dich selbst: Was ist denn der Grund, warum du ins Gebet gehen musst?

Was treibt mich auf die Knie? Was bewegt mich dazu und zu vielem anderen?

Kennen wir das nicht: Dass wir so verzweifelt sind, dass uns die Worte fehlen, dass wir nicht einmal mehr ausdrücken können, was wir wollen – außer dem einen: Hin zu Ihm, hin zum Heiland Jesus Christus, hin zum Vater!

Da hört man von uns keine gewählten Worte mehr, da ist nur noch ein tiefes Seufzen der Seele – alles, was in mir ist – alles vereine sich im innersten Sehnen. Da wird nicht mehr gebetet mit schönen Worten um der Zuhörer willen.

Es könnten Kritische sagen: »Aber als ich gläubig wurde, da hat sich doch viel geändert bei mir«. Ja - in Christus liegen alle Schätze, in IHM wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Die Freude an JHWH, dies ist deine Stärke geworden, wenn alles rechtens istdas ist der Unterschied gegenüber früher – Gottes Kind bist du geworden, weil du an Jesus teilhast.

Aber selbst wenn du wie Methusalah (Methusalem) 969 Jahre alt würdest (1. Mo 5,27) – kommen aber eine Unstimmigkeit, ein langes Leiden oder unerwartete Schicksalsschläge, eine Katastrophe – dann kommt das Substanzielle in uns hoch.

Einzig allein Gottes Geist kennt die Tiefe unseres Wesens, und ER alleine kann die Veränderung im Innersten herbeiführen – bitten wir IHN aus tiefsten Herzen darum.

Christus ist der Sieger über den Tod und über unsere innersten Gemütsbewegungen, deswegen können wir jetzt in unseren Sorgen, im Aufgewühlt-Sein in Ihm frei werden und Frieden haben (Joh 8,31-32; 14,27). ER hat versprochen:

Ich will dir den Weg zeigen, den du wählen sollst - wenn du in meinem Wort bleibst.“

Es ist wohl bei den meisten ein längerer Lernprozess – aber unser Herr Jesus möchte einem jeden von uns durch SEIN Wort helfen.

Der Kampf ist SEIN, und den Sieg und allen Segen gibt es nur in IHM zu SEINEN Füßen.

Deshalb können auch wir jetzt bereits froh sein, uns selbst den so nötigen Befehl wie David erteilen: Ps 103,1-2 Lobe JHWH, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe JHWH, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

1 Unter Verwendung von Gedanken und Textabschnitten der Predigt : Alles – was in mir ist“, von Werner Fürstberger



2 Erklärung zu »ICH BIN«: Jahwe kommt von dem hebräischen Wort für »sein«, hayah.. Das Wort »Jahwe« kommt vom hebr. JHWH, zu dem die Vokalzeichen für Elohim und Adonai, anderen Namen Gottes, hinzugefügt wurden. … Der Name bedeutet, dass Gott aus sich selbst existiert, sich selbst genügt, ewig und souverän ist. Der vollständige Name »Ich bin, der ich bin« könnte auch heißen: »Ich bin, weil ich bin« oder: »Ich werde sein, der ich sein werde. MacDonald - Kommentar „CLEVER“ CD Bibelprogramm, Schlachter 2000






3 1Tim 1,20; 2.Tim 2,17
   
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