Es ist gar nicht selten, dass es den ernsthaften Nachfolgern Christi beim Lesen und Aufnehmen des Wortes Gottes so ergeht, dass mancher Zweifel über ihr Verständnis und manche Sorge sie befällt - das ist auch gut so, das bringt die Gottesfurcht (!) mit sich, die der Anfang aller Weisheit ist (Sprüche 1,7). Denn die Bibel, das zweischneidige Schwert des Geistes (Hebr 4,12), enthält in manch einem Punkt scheinbar widersprüchlich erscheinende Aussagen für uns Menschen. Das bringt den treuen Jünger ins Gebet - um seine eigene, vielleicht bisher zu einseitige Vorstellung anhand der Bibel zu überprüfen, und ihn zum Umdenken anzuregen.

Alle, die das so nicht kennen, die wären gut beraten, einmal mit ganzem Ernst über jedes Wort nachzudenken, das aus Gottes Mund hervorgeht. Sie stehen ihm eventuell zu lässig, zu gleichgültig gegenüber - dem Wort, von dem der Mensch lebt (5Mo 8,3; Lk 4,4).

Für diese Predigt wurden einige Gedanken aus den Handreichungen (Jahrgang 1923-24) verwendet[1].

 

Vorwort von Paul Sonntag: Aus aktuellen Gründen und weiteren ernsthaften wertvollen Aspekten zu dem Thema „Der Richterstuhl Christi", möchte ich „Vor dem Richterstuhl Christi" als Teil 2 betrachten. Die Gesamtdarstellung, Hervorhebungen in fetter Schrift, Textergänzungen, Bibelstellen in Klammern in kursiv (mit Ausnahme der ausgeschriebenen Bibelstellen) und die Fußnoten wurden von mir vorgenommen. Ende des Vorwortes

 

Im 2.Korintherbrief finden wir zwei Aussagen, die erstere davon stellt eine praktische Regel dar für unseren Wandel, vor allem hilfreich für jene, denen ihre Mangelhaftigkeit und ihr Zukurz-Kommen immer wieder Sorge bereitet. Also lautend:

2Kor 5,9 Darum suchen wir auch unsere Ehre darin, dass wir ihm wohlgefallen, seien wir daheim oder nicht daheim (2Kor 5,8).

Bevor wir uns erlauben, den Vers 10 dazu zu lesen, wollen wir uns erinnern, wie gern wir einst im Glauben das folgende Wort Jesu[2] erfasst und angenommen haben:

Joh 5,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort[3] hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.

Ja, das war, das ist immer wieder Balsam für unsere Seele; da ruht sie im Frieden, da überstrahlt die Zuverlässigkeit des Wortes Gottes die Schatten von Sünde und Gericht. Dabei mag es wohl bleiben.

 

Wenn wir nun fortfahren, im zweiten Korintherbrief zu lesen, dann wird der Zusammenhang zwischen dem ›wohlgefälligen Wandel vor Gott‹ und der Konsequenz klar: das kleine Wörtchen ›denn‹ leitet die Kausalität (Beziehung zwischen Ursache und Wirkung[4]) ganz vordergründig ein:

2Kor 5,10 Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder das empfängt, was er durch den Leib gewirkt hat, es sei gut oder böse.

 

Nun - wir wären nicht die ersten, die an dieser Stelle von einer geheimen Furcht beschlichen werden, ob nicht doch in jenem Gericht die Frage nach unseren Sünden auftauchen würde und wir nicht am Ende zur ›Linken‹ des Herrn gestellt würden.

Es ist dies eine jener Stellen, an denen ein zweifelndes Herz und der eigene Unglaube einen Widerspruch zu entdecken meint, womit aber wieder einmal den Worten des Widersachers Raum gegeben wird: »Sollte Gott gesagt haben ...?« (1Mo 3,1).

Der Heilige Geist geht so aber nicht vor, Er leitet in alle Wahrheit (Joh 16,13), ob sie nun angenehm oder unangenehm klingt. Deshalb darf und muss auch dieser scheinbare Widerspruch, wie alle anderen, unter der Prämisse: »Die Schrift kann nicht gebrochen werden« (Joh 10,35) mit voller Aufmerksamkeit in gläubiger Erwartung aus des Herrn Mund angenommen werden. Er wird sich klären mit Gottes Hilfe, wie alle anderen.

 

Was den Richterstuhl Christi betrifft, ist es wohl so, dass alle Menschen eines Tages vor ihm erscheinen werden, - aber es ist nicht so, dass jeder dort, ob gläubig oder ungläubig, durch eine peinliche Untersuchung hindurch muss, um schließlich zu erfahren, ob er selig werde oder verloren gehe. Denn das wird vorher entschieden, in diesem Leben, hier auf Erden, - nicht erst im Gericht.

Trotzdem steht unmissverständlich im Wort, dass der Gläubige, der nach Joh 5,24 nicht mehr ins Gericht kommt, dann aber doch nach 2Kor 5,10 vor dem Richterstuhl Christi erscheinen wird.

Falsch ist jedenfalls die Meinung, dass alle Menschen, Gläubige und Ungläubige, gleichzeitig vor dem Richterstuhl stehen werden. So wird es niemals der Fall sein. Es gibt keine Aussage im Wort Gottes, dass der Richterstuhl Christi ein allgemeines Gericht bedeutet, vor dem alle Menschen zugleich versammelt werden.

Der ›Richterstuhl Christi‹ umfasst nicht nur eine einmalige Handlung, denn in diesem Wort ist jede Gerichtshandlung des Herrn inbegriffen, - alles, was der Herr über Personen und Werke entscheiden und vollziehen wird.

Wir erfahren vom ›Thron der Herrlichkeit‹, wir lesen davon in Matthäus 25,31:

Mt 25,31 Wenn aber der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, vor dem alle Nationen versammelt werden, - zum Unterschied vom ›großen weißen Thron‹ - vor dem die ungeretteten Toten stehen werden.

Offb 20,11 Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde kein Platz für sie gefunden.

 

Die eingangs angeführte Stelle im Korintherbrief (2Kor 5,10)verweist auf die Tatsache, die schon das Buch Prediger zur Sprache brachte:

Pred 12,14 Denn Gott wird jedes Werk vor ein Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse.

Vielleicht fragt sich nun jemand: »sind die Gläubigen und die Ungläubigen eingeschlossen in das Wort ›alle‹, die vor dem Richterstuhl Christi erscheinen müssen?«

Lesen wir dazu noch den elften Vers:

2Kor 5,11a In dem Bewusstsein, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir daher die Menschen zu überzeugen, Gott aber sind wir offenbar.

Warum sollten wir Menschen zu überzeugen suchen, wenn sie nicht zu erscheinen hätten vor dem Richter?  Wird es nicht schrecklich sein und ein unbeschreiblich furchtbarer Augenblick, wenn solch ein Mensch vor seinem Richter in seinen Sünden zu erscheinen hat?

Der von Christus Errettete zittert ja nicht mehr für seine eigene Person, wenn er zu erscheinen hat, der Schrecken des Herrn berührt ihn nicht mehr persönlich - weil der Herr selbst das Gericht für ihn erduldet hat. Deshalb ist das Gericht mit seinen Schrecken von ihm weggenommen.

Aber für den Ungläubigen ist das Offenbar-Werden vor dem Richterstuhl Christi eineSituation der Furcht und des Schreckens.

 

So zeigt uns der Vers, dass wir die Menschen zu überzeugen haben, dem Gericht zu entfliehen, dass es um Gläubige und Ungläubige geht vor dem Richterstuhl Christi.

Nicht wie dieses neue Buch von Rob Bell uns weismachen will, mit dem Titel: ›Das letzte Wort hat die Liebe‹. Wohl ein schön klingender Titel - aber doch eine furchtbare Irreführung, denn am Ende steht das Gericht und nicht die Allversöhnung.

 

 

Die Liebe Gottes in Christus zur Errettung ist die ganze Zeit, ist vorher, ist heute (2Kor 6,2) schon da. Am Ende steht aber dann das Gericht!

Der 2. Timotheusbrief spricht davon, dass Jesus Lebendige und Tote richten wird.

2Tim 4,1 Daher ermahne ich dich ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen

 

 

Sehen wir uns zuerst das Gericht über die Lebendigen an:

Mt 25,31-46 Wenn aber der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, und vor ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken. Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, und erbt das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt; ich bin ohne Kleidung gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist, oder durstig, und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder ohne Kleidung, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank gesehen, oder im Gefängnis, und sind zu dir gekommen? Und der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! Dann wird er auch denen zur Linken sagen: Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt; ohne Kleidung, und ihr habt mich nicht bekleidet; krank und gefangen, und ihr habt mich nicht besucht! Dann werden auch sie ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder ohne Kleidung oder krank oder gefangen gesehen und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan! Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.

 

Wie bereits erwähnt, ist der Richterstuhl hier der ›Thron der Herrlichkeit‹. In diesem Gericht handelt es sich um die Völker, die zu jener Zeit leben werden auf Erden, wenn der Herr Jesus als König in Seiner Herrlichkeit wiederkommen wird. Die erwähnten ›Geringsten Seiner Brüder‹ sind Seine Boten, die Er ausgesandt hat in der großen Trübsalszeit (z. B. offb 7,14; Zef 1,15; Röm 2,9).

 

Es gibt demnach drei Klassen in diesem Gericht:

  • die Schafe
  • die Böcke
  • und die Brüder des Herrn.
Je nachdem, wie die Menschen aus den Völkern sie angenommen oder verworfen haben, werden sie von Ihm Segen oder Fluch empfangen. Das ist der Richterstuhl des Christus, wenn Er die Lebendigen richten wird.

 

Die Toten, die gerichtet werden, die stehen vor dem großen weißen Thron.

Offb 20,11 Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde kein Platz für sie gefunden.

Dieses Gericht findet nicht in der Zeit der Erde statt, denn wir sehen, dass der Himmel und die Erde, wie wir sie kennen, bereits entflohen sind (u. a. Offb 21,1). Sie sind weggenommen worden.

Wer aber immer noch hier ist (existiert), ist der Mensch mit seiner Seele. Jeder, der in seinen Sünden stirbt, wird nach der Auferstehung vor dem ›großen weißen‹ Thron stehen. Als

Mensch wird er gerichtet und wird empfangen, je nachdem, was er in dem Leibe getan hat, es sei Gutes oder Böses. Der Richter dort auf dem Thron ist: Jesus Christus.

Apg 10,42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen, dass Er der von Gott bestimmte Richter der Lebendigen und der Toten ist.

 

Er, der im Leben ihr Heiland sein wollte, ist nun ihr Richter.

 

Im folgenden Vers lesen wir:

Offb 20,12 Und ich sah die Toten, Kleine und Große, vor Gott stehen, und es wurden Bücher geöffnet, und ein anderes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens; und die Toten wurden gerichtet gemäß ihren Werken, entsprechend dem, was in den Büchern geschrieben stand.

Das sind die Bücher der Verantwortlichkeit, denn sie enthalten alles, wofür der Mensch dort Rechenschaft ablegen muss. Nichts wird vergessen von Gott, gar nichts. Der Mensch irrt sehr, wenn er meint, er könne Sünde auf Sünde häufen und sich dabei einreden, Gott nehme keine Notiz davon. Ganz im Gegenteil! Alles wird und wurde notiert.

 

Das Spiegelbild unseres Lebens ist unlöschbar aufgezeichnet und gespeichert. Jeder wird dort sein Leben wiedersehen.

Wir können uns das so vorstellen: Oben dein Name; darunter die Daten - dazu zählt:

  • der Besitz des Wortes Gottes
  • das Hören des Evangeliums
  • die mannigfaltigen Bemühungen der Liebe Gottes, deiner Seele den Weg zum Leben zu zeigen
  • dann Sünden, Sünden und wieder Sünden
  • und schließlich die eine, die große Sünde: die Vernachlässigung der Errettung und die Verwerfung Christi

 

Auch bestimmte Vorrechte werden im Gericht in Rechnung gestellt werden:

Lk 12,47-48 Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht bereithielt und auch nicht nach seinem Willen tat, wird viele Schläge erleiden müssen; wer ihn aber nicht kannte und doch tat, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge erleiden müssen. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man desto mehr fordern.

 

Zu allen redet Gott, zu jedem:

Hi 33,14 Gott redet einmal und zum zweiten Mal, aber man beachtet es nicht.

Hi 33,29-30 Siehe, dies alles tut Gott zwei- oder dreimal mit dem Menschen, um seine Seele vom Verderben zurückzuholen, damit sie erleuchtet werde mit dem Licht der Lebendigen.

All jene, die die kostbare Botschaft der Gnade nicht so oft gehört hatten wie wir hier in Europa, werden mit einem anderen Maßstab gemessen werden - Gott ist gerecht (Johannesevangelium 5,30; Offenbarung 16,5). Wer aber dem Herrn und seinem Gnadenangebot mehrmals den Rücken zugewandt hat, der wird umso größere Strafe erleiden.

Nachdenklich stimmen muss jeden Sünder auch das bekannte Wort des Herrn:

Mt 11,21 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida[5]! Denn wenn in Tyrus[6] und Zidon[7] die Wundertaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, so hätten sie längst in Sack und Asche Buße getan.

 

Wir erinnern uns, da war noch ein ›anderes Buch‹, so wurde es definitiv genannt:

Offb 20,12b und ein anderes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens.

Doch nirgends wird gesagt, dass die Toten aufgrund dieses Buches gerichtet werden. Dieses Buch enthält die Namen der Erretteten. Sie alle stehen hier angeschrieben. Neun Mal wird dieses Buch des Lebens, auch als ›das Buch des Lebens des Lammes‹ bezeichnet, im Wort Gottes genannt.

Es sieht so aus, als wären ursprünglich alle Namen darin aufgezeichnet gewesen wegen Christi Opfertod. Doch der Psalm 69, ein Leidenspsalm Jesu, spricht eine deutliche Sprache über jene, die Ihn dennoch von sich aus verworfen haben:

Ps 69,27-29 Sie verfolgen den, welchen du geschlagen hast, und haben sich unterhalten über die Schmerzen deiner Verwundeten. Füge Schuld zu ihrer Schuld, und lass sie nicht zu deiner Gerechtigkeit gelangen! Tilge sie aus dem Buch des Lebens; sie sollen nicht eingeschrieben sein mit den Gerechten!

 

Es werden nur die Namen der Überwinder in diesem Buch geschrieben bleiben.

Offb 3,5 Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden; und ich will seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens, und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.

 

 

Gehören wir zu den Überwindern? Kann man von uns sagen:

Offb 12,11 Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres  Zeugnisses willen und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod!

 

Wozu wird dort im Gericht dieses so unendlich wertvolle Buch geöffnet? Da doch jeder nach den Werken gerichtet wird, die in den übrigen Büchern (Offb 20,12b) stehen ...

Der Grund ist: wenn ein Name nicht in diesem Buch des Lebens gefunden wird, dann wird jener Mensch gerichtet.

Offb 20,15 Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingeschrieben gefunden wurde, so wurde er in den Feuersee geworfen.

Dieses Gericht wird als letzte und feierliche Bestätigung ausgeführt, als Beweis, dass der

Name eben nicht bzw. nicht mehr im Buch des Lebens des Lammes gefunden wurde, es gibt dann keinen Boden der Gnade mehr. Jesus sagt diesbezüglich zu Seinen Jüngern:

Lk 10,20 Doch nicht darüber freut euch, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber lieber darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

 

 

Was aber geschieht nun mit den Überwindern, mit den Gläubigen und Geliebten, mit den Gliedern des Leibes Christi? Denn auch sie ›müssen vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder das empfängt, was er durch den Leib gewirkt hat, es sei gut oder böse.‹

 

Es wurde schon betont, dass nicht vor dem Richterstuhl die Entscheidung fällt, ob ein Mensch selig wird oder verlorengeht - dass etwa in je einer Schale die guten und bösen Taten gegeneinander gewogen werden und - je nachdem - dann die Frage des Seligwerdens entschieden wird.

Wenn aber das Gewissen einem Menschen bezeugt, dass er selber wenig Aussicht habe, in die ewige Seligkeit zu gehen, dann tröstet sich mancher damit, dass, weil er zu einer Gemeinde oder Kirche gehört, im Gericht Christi Verdienst hinzugerechnet werden würde zu seinen Gunsten. Das ist ein tödlicher Irrtum und wer darauf baut, der hat auf Sand gebaut (Mt 7,26). Da ist das Haus dann auf den falschen Grund gegründet und wird einen großen Fall tun.

 

Ganz klar sagt uns das Wort Gottes, dass hier auf Erden, zu unseren Lebzeiten, das Heil entschieden wird: durch Umkehr und den Glauben an den Herrn Jesus Christus, was sich dann in einem Überwinderleben auswirken muss.

Wer sein Leben hier liebhat, wird es verlieren. Die Überwinder, so sagt es Gottes Wort, haben ihr Leben nicht lieb bis in den Tod - um des Herrn Jesu willen.

 

 

Der Herr kennt doch jetzt schon die Seinen - und sie kennen Ihn:

Joh 10,14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt,

Das hat weitreichende Folgen in beiderlei Hinsicht:

2Petr 2,9 Der Herr weiß die Gottesfürchtigen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber zur Bestrafung aufzubewahren für den Tag des Gerichts.

Beide sind Ihm sehr wohl bekannt, hier und heute: die Gottseligen und die Ungerechten.

 

 

Jeder gläubige Überwinder weiß ohne Zweifel jetzt schon, wo er die Ewigkeit verbringen wird. Das erfährt er nicht erst vor dem Richterstuhl Christi!  Im Gegenteil: Er weiß ganz gewiss, dass er in der Herrlichkeit bei Christus sein wird (Joh 14,3).

Der 2. Korintherbrief hat im fünften Kapitel auch hier eine Klarstellung für uns:

2Kor 5,8 Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem HERRN.

Daheim beim Herrn! Das ist ein wunderbares Wort! ›Ausheimisch aus dem Leibe‹ heißt: Daheim beim Herrn!

 

Der gesteinigte Stephanus befahl dem Herrn seinen Geist (Apg 7,59) in dessen wunderbare Hände. Sollten er oder Paulus erst vor dem Richterstuhl erfahren, ob sie errettet sind oder nicht?

 

Natürlich sind all die Seligen noch nicht im vollendeten Zustand, in dem Auferstehungsleib, im Herrlichkeitsleib beim Herrn. Erst an jenem Tag, wenn Er wiederkommt, wird die Umgestaltung in die Gleichförmigkeit Seines Leibes geschehen, sowohl bei den lebendigen Gläubigen als auch bei den Entschlafenen (1Kor 15,50-54; 1Th 4,13-17).

Aber aufs deutlichste sagt uns die Schrift, dass Paulus und der Schächer (Lk 23,39-43) und alle anderen Gläubigen bei dem Herrn sind.

Die Frage ist nun: Wird der Gläubige gerichtet, wenn er vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen muss? Und wenn - wie wird er gerichtet?

 

Wie ist der exakte Wortlaut von 2 Kor 5,10? »Alle müssen offenbar werden« heißt es, nicht: »alle müssen gerichtet werden«, sonst läge wohl der anfangs vermutete Widerspruch sehr nahe, dass die Erretteten doch noch gerichtet würden.

Aber »offenbar werden«, das heißt sehr wohl: jedes Leben jedes Menschen, alles, was er im Leib getan hat, das wird an das Licht und in das Urteil Gottes kommen. Die Folgen für den Ungläubigen haben wir klar gesehen. Für den Gläubigen (Wiedergeborenen: Joh 3,3-7; 1.Petrus 1.3+23; 1Joh 3,2) handelt es sich um Lohn bzw. um das Einbüßen des Lohnes, je nach seinem Wandel. Das sollte man aber keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen!

 

Der Gläubige[8] wird deswegen nicht gerichtet, weil das Urteil für seine Sünden schon vollzogen wurde durch Jesu stellvertretenden Tod. Sein Gericht fand schon statt - als Jesus als sein Stellvertreter am Kreuz hing, als das göttliche Gericht Jesus traf - an unserer Stelle und Jesus von Gott verlassen wurde, nicht wir! Deshalb sagt Gott über die Gläubigen:

Hebr 10,17 »An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.«

Da kannst du nicht einerseits sagen: »Er ist um meiner Übertretungen willen verwundet und um meiner Missetat willen zerschlagen« (Jes 53,5) und gleichzeitig: Gott wird doch noch einmal meine Sünden ins Gericht bringen.

Wir sind eins gemacht mit dem für uns Gehenkten im Glauben. Und Gott sieht und verwahrt uns so in Ihm, dass wir auch in der Auferstehung und in der Herrlichkeit mit Ihm eins gemacht sind. Eingebunden in Ihm ins Bündel der Lebendigen bei dem Herrn, so sagt es 1Sam 25,29a.

 

Aber wie kann Gott behaupten, unserer Sünden nie mehr zu gedenken, wenn wir doch vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden müssen? Der Schlüssel liegt u. a. in Hebräer 9,26:

Hebr 9,26 denn sonst hätte er ja oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an. Nun aber ist er {einmal} offenbar geworden in der Vollendung der Weltzeiten zur Aufhebung der Sünde durch das Opfer seiner selbst.

Aufgehoben heißt hier: ›hinweggenommen‹, ›abgeschafft‹. Eine richterliche Forderung der Sühnung der Sünden wird von Gott deswegen niemals mehr erhoben, zumal Er ja mit dem Leben und Blut Seines eigenen Sohnes für diese Abschaffung der Sünde bezahlt hat. Es gibt absolut kein Erinnern mehr an diese Sünden von Gott her (Micha 7,19; 1Joh 1,9; Jes 43,25). Mag sein, wir können daran denken -, aber Gott wird es nie tun. Das Blut seines Sohnes redet besser als Abels Blut!

 

Wir (die Wiedergeborenen) werden also nicht offenbar vor dem Richterstuhl Christi, um gerichtet zu werden, sondern um unsere ganze Lebensgeschichte im Lichte der Herrlichkeit zu erkennen.

Wir sind dann ja schon zu Hause ... Unser Herr sagt:

Lk 12,2-3 Es ist aber nichts verdeckt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das nicht bekannt werden wird. Alles, was ihr im Finstern redet, wird man darum im Licht hören, und was ihr in den Kammern ins Ohr gesprochen habt, wird auf den Dächern verkündigt werden.

Das sind sehr ernste Worte. Alles wird offenbar werden, alles, was den Augen und Ohren der Menschen verborgen blieb. Nichts wird verdeckt bleiben, nichts wird verborgen bleiben, was nicht aufgedeckt werden wird.

Da muss ich mich fragen: »Bin ich mit allem, was ich von Natur aus bin und was ich getan habe, stets unter das Kreuz Christi gekommen? Habe ich wirklich meine Sünden ohne Rückhalt vor Gott gerichtet und abgetan?«

Wenn dem so ist, dann sind sie durch das kostbare Blut Jesu abgetan, hinweggetan und ich darf in Seiner Gnade ruhen aufgrund Seines vollbrachten Werkes. Also wird das Offenbar-Werden der Ungläubigen mit Schrecken verbunden sein - das Offenbar-Werden der Gläubigen aber mit Lob und Dank.

 

Eine Menge Unrecht und Sünden pflasterten unseren Weg, aber schon in diesem irdischen Leben kann ein Gotteskind, das im Glauben als Überwinder wandelt, ohne Furcht mit seinem Leben offenbar werden, weil die Schuld getilgt ist.  Und erst recht dort, daheim beim Herrn, wo unser Herz mit Lob und Dank erfüllt ist.

 

 

Aber warum werden wir denn überhaupt vor den Richterstuhl Christi gestellt?

Was Gott tut, das dient zu unserem Segen. Am Richterstuhl lässt Gott uns unser Leben sehen, so wie es von Ihm gesehen wurde. Hier in diesem Leib würden wir es gar nicht ertragen können. Aber dort, im Verklärungsleib, da sind wir losgelöst von den Sünden, da sind wir verbunden mit dem Herrn und da werden wir jede Handlung, jeden Weg, jeden Umstand so wie Er beurteilen.

Dort werden wir erst erkennen, wie verdorben und untauglich wir waren, und wie Er es dennoch vermocht hat, in all unseren Umständen, über all unsere Verfehlungen hinweg nach Seinem Vorsatz den Ratschluss Seines Willens zur Durchführung zu bringen.

Das wird ein herrlicher Moment werden, wenn wir im verklärten Leib unseren Lebenslauf ansehen, so wie wir ihn nie gesehen haben! Es kann dies ja nicht ausbleiben! Wäre es wohl recht, wenn wir lieber wünschten, gewisse Geschehnisse unseres Lebens würden besser zugedeckt bleiben? Dann würde so ja die frühere schandbare Heimlichkeit fortbestehen! Würde da nicht auch all die Gnade zugedeckt werden, mit der wir getragen wurden?

  • Wir würden nicht die Hälfte wissen von dem Walten Seiner Gnade, wenn nicht alles ans Licht käme,
  • wir würden nichts wissen von der Macht und Treue Seiner Liebe, die uns hindurchgebracht hat.

 

Wer denkt wohl daran, dass gerade damit am Tage der Offenbarung ein weiterer tiefer Grund gelegt wird zum ewigen Lobgesang von Gottes Gnade, wenn wir in ganz besonderer Weise Seiner Liebe und Treue gewahr werden. Denn erst dort werden wir wahrlich erkennen, wie viel uns vergeben worden ist. Und dort wird das Wort des Herrn »ich bin in ihnen verherrlicht« erst zur vollen Darstellung kommen (Joh 17,10b).

Wir werden erst im Offenbar-Werden Seine Wege mit uns verstehen, warum Er uns durch Krankheit führte und durch Trübsal. Erst dort werden wir sehen, dass die schmerzlichen Wege, die wir für Leid hielten in unserer Kurzsichtigkeit, die wir für Unglück hielten - doch nichts als Liebe und Segensführungen waren. Wir werden dort Sein Bewahren sehen in allen Anläufen des Widersachers. Wir haben ja ohnehin kaum eine Vorstellung von den Schlingen, die uns die Finsternismächte legen, von den Pfeilen des Bösen, die auf uns gerichtet sind, um uns zu verderben -, von den schlüpfrigen Wegen im Finstern.

 

Der Psalmist sagt:

Ps 73,2 Ich aber - fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Fehltritt getan!

Und er sagt auch:

Ps 66,9 der unsere Seelen am Leben erhielt und unsere Füße nicht wanken ließ!

Wir haben keine Ahnung davon, wie wenig oft gefehlt hat, wie knapp es oft herging. Und so wie die Psalmen oft mit einem Hallelujah[9] enden, so wird auch der Tag des Offenbar-Werdens sein.

Allerdings ist mit dem Richterstuhl Christi auch eine sehr ernste Tatsache verbunden. Wir haben gelesen, dass jeder empfangen wird, was er in dem Leibe getan hat, es sei Gutes oder Böses.  Gleichzeitig wird uns gesagt, dass mit dem Offenbar-Werden der Empfang von Lohn am Richterstuhl Christi verbunden ist. Vom Lohn wird nicht selten berichtet in der Schrift, z. B.:

Offb 22,12 Und siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden so zu vergelten, wie sein Werk sein wird.

 

Diesen Lohn können wir vor dem Richterstuhl erlangen oder - einbüßen. Wenn den Gläubigen auch kein Gericht erwartet und seine Errettung und Verklärung schon vollendet ist und nicht mehr in Frage steht, so wird doch die Zuteilung des Lohnes eine sehr bedeutungsvolle Sache werden.

2Jo 8 Seht euch vor, dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen!

Da sieht man den Ernst, mit welchem sich der Apostel nach dem Lohn ausstreckte. Das Verlieren des Lohns war ihm eine sehr ernste Sache. Er wollte den vollen, den unverkürzten Lohn empfangen.

 

Und du? Und ich? Wie ist das mit uns? Wie wenige Kinder Gottes sind heutzutage interessiert an diesem Lohn, den der Herr den Treuen versprochen hat!

 

Die meisten setzen sich hinter der Engen Pforte (Mt 7,13; Lk 13,24) zufrieden nieder, - es genügt ihnen, »nur errettet« zu werden, wie sie meinen. Das ist aber ein Trugschluss! Denn Stillstand bedeutet Rückschritt im Reich Gottes, das ist eine eherne Tatsache.

 

Weder die Gleichgültigkeit, die manche hier an den Tag legen, noch ihre Unwissenheit ist entschuldbar; diese Menschen drücken damit ja doch automatisch ihren Unwillen aus, Lohn zu empfangen. Sie sind sich nicht bewusst (oder vielleicht doch), dass sie den Lohn des Herrn gering achten! Damit befinden sie sich aber im Widerspruch zur Heiligen Schrift.

 

Manche verwechseln immer wieder das ›Werk der Gnade‹ mit dem ›Lohn der Treue‹.

Leider haben viele die Unterscheidung für solche wesentlichen Dinge verloren, speziell in unseren Tagen. Der Unterschied zwischen der ›Errettung aus Gnaden‹ und dem ›Lohn der Treue‹ wird deutlich, wenn man die zwei unterschiedlichen Stellungen der Gläubigen beachtet.

Die Schrift nennt uns einerseits

  • Kinder Gottes‹,
  • andererseits aber ›Knechte Gottes‹.
Unsere Stellung als ›Söhne‹ oder Kinder Gottes entsteht durch die neue Geburt (Joh 3,1-13;  1 Petr 1,23) und die Gnade; unsere Stellung als ›Knechte‹ Gottes hat dagegen mit unserer Berufung und unserer Verantwortlichkeit zu tun.

 

An einem Bild wird es deutlich: Ein Bauer stellt seine beiden Söhne als Arbeiter in seiner Landwirtschaft an. Jedem teilt er einen Dienst zu, je nach Alter und Fähigkeit. Wie jeder Sohn nun seine Arbeit tut, empfängt er seinen Lohn. Also sind seine beiden Söhne gleichzeitig auch seine Arbeiter und Knechte. Dem Vater gegenüber sind sie Söhne; ihm als Herrn gegenüber sind sie Knechte.

Rein familiär ist zwischen dem Jüngeren und dem Älteren kein Unterschied, beide sind durch die Geburt Söhne. Aber auf dem Ackerfeld gibt es Unterschiede, einmal in der Stellung, dann in der Arbeit, im Arbeitsfeld und so dann im Lohn; denn wie jeder nun sein Werk getan hat, so wird er Lohn empfangen oder ihn einbüßen.

So sind auch wir ›Söhne‹ unseres Vaters in Christus durch die Gnade Gottes. Durch Arbeit und Dienst können wir uns keine Gnade erwirken, und schon gar nicht die Sohnschaft erwerben.

Gott führt den ewigen Vorsatz Seiner Gnade, uns zur Herrlichkeit zu führen, auf Grund des kostbaren Blutes Christi aus - niemals aber auf Grund unserer Treue oder Arbeit.

An diesem Beispiel sieht man übrigens recht schön, dass die Vaterschaft schon längst da war, bevor je ein Mensch geboren wurde.

Aber ganz anders ist natürlich die Lohnfrage. Als ›Knechte‹ und ›Verwalter‹ Gottes hängt sehr wohl der Lohn von uns ab, von dem, was jeder im Leibe getan hat. Da zählt auch dazu das von Gott zugewiesene spezifische Verhalten von Mann und Frau, wie man dem Rechnung getragen hat, in puncto Verantwortung bzw. Unterordnung.

 

Wie wird unser Lohn da ausfallen? (siehe Der Richterstuhl Christi) Wie wir nun gehandelt haben, ob gehorsam seinem Wort oder ungehorsam, ob treu, ob nachlässig ... je nachdem werden wir unseren Lohn empfangen oder einbüßen. Unser Seligwerden hängt nur von Seiner Gnade ab, von dem, was ER für uns getan hat. Der Lohn aber hängt von unserer Treue ab, von dem, was wir im Gehorsam seinem Wort gegenüber getan haben.

 

Warum ist uns denn die weitreichende Bedeutung, die unser irdisches Leben für die Ewigkeit hat, so wenig bewusst? Wenn wir endlich begreifen würden, dass wir dort empfangen, was wir hier im Leibe getan haben, dann würden wir uns wohl mehr beeifern, Ihm wohlzugefallen!

Lk 6,23 Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.

Lk 6,35 Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein ...

 

Wir sehen, wie der Herr das sieht!

Wenn wir um seinetwillen Schmach tragen, dann versichert Er uns, dass wir hier schon uns freuen und hüpfen sollen, weil der Lohn groß sein wird.

Möchte uns das doch weit deutlicher vor Augen stehen!

 

Einige Beispiele zeigt der Herr ja in Seinen Reden, was den Lohn betrifft:

  • die wachenden Knechte wird Er sich zu Tische setzen und sie bedienen (Lk 12,37);
  • den Überwindern will Er das verborgene Manna geben (so in Pergamus - Offb 2,17);
  • einen weißen Stein (Sieger); einen neuen Namen, Throne, Kronen, Siegeskranz, Ehrenkranz (Offb 2,17; 20,4; 2,10; 2Tim 4,8; 1Kor 9,25; 1Petr 5,4).
  • und schon allein die Vorstellung, dass unsereiner von Gott empfangen werden möchte mit den Worten »Ei, du frommer und treuer Knecht« ...!

 

Wollen wir da nicht jetzt schon das Licht des Richterstuhls auf unser Leben fallen lassen?

  • Wie wird der Herr urteilen? Wie wird Er dich beurteilen - dich, den Er durch Seinen Tod von der Welt getrennt hat?
  • Wie wird Er urteilen über dein Verhalten im Hause Gottes, in Seinem Leib, dem Er dich eingegliedert hat; in den Er dich hineintaufen ließ durch den Heiligen Geist?
  • Wie wird Er urteilen über dein Fernhalten von Dingen, die nicht mit Seinem Wort im Einklang stehen?
  • Was wird Er sagen, wenn Er deine Liebe zu den Heiligen ansieht, die Ihm so teuer sind?
  • Wie wird Er urteilen über deine Hingabe im Dienst des schriftlichen und mündlichen Zeugnisses - wodurch die Seinen erbaut und die Verlorenen gerettet werden sollen?
  • Wie wird Er urteilen über die Erziehung deiner Kinder, die Er dir anvertraut hat?

 

Seien wir sicher, es kommt der Tag, da das alles Wirklichkeit wird. Wir werden offenbar werden! Was werden wir denn dann sagen zu dem Zank und Streit, zu dem Hader und Neid, zu unserer Selbstliebe und zu unserem Selbstvertrauen (statt Gottvertrauen) , zu Hochmut und Stolz, zur Ehr- und Habsucht, wenn wir Ihm ins Auge zu schauen haben; Ihm, der nicht zurückgescholten hat, als Er gescholten wurde, Ihm, der sich selbst erniedrigte und arm wurde um unsertwillen,

 

Ihm, der uns gebeten hat, in Seinen Fußtapfen zu wandeln?

  • Was werden wir vorbringen zu unserer Teilnahme an der Not der Armen; an den Nöten und Bedürfnissen Seiner Arbeiter, für die Er uns geboten hat zu sorgen?
  • Was werden wir Ihm gegenüber vorbringen, dessen Name ›Treu und Wahrhaftig‹ lautet, wenn wir den Gebrauch unserer Gaben und Fähigkeiten, die wir erhalten haben (!) durch die Wiedergeburt, offenbar geworden sehen; unserer Zeit, unserer Mittel?

Wohl uns, wenn wir hier - und wenn auch unter Tränen - das alles recht geschehen sehen in unserem Leben durch Seine Hand, damit wir dort den Lohn dann nicht verlieren!

 

Der kommende Richterstuhl Christi muss uns wachsam bleiben lassen über unser Leben, auszuharren auf dem Glaubenspfad. Die alles bewegende Kraft in dem allen ist die Liebe des Christus, die uns dringt, die uns vorwärts bringt; die uns nicht faul noch untätig sein lässt, die uns unser Leben nicht liebhaben lässt, die uns den Dienst zu jeder Zeit der Untätigkeit, dem Schlaf, dem ›gemütlichen‹ Eigenleben vorziehen lässt!


Wenn die Liebe des Christus nicht der Antrieb ist für unser Leben,

  • wenn es der Lohn an sich ist oder andere Dinge die bewegende Kraft sind:
  • der Stolz, der Hochmut,
  • oder auch die Faulheit, die Menge ...
dann sind die Beweggründe nicht rein; die Werke daraus werden alle verbrennen. Sie können nicht bestehen vor dem Richterstuhl Christi. Hierher gehört auch das menschliche, das diabolische Gerede, dass man jene der Lieblosigkeit bezichtigt, die die Gerichtsbotschaft Gottes verkündigen zusammen mit dem Evangelium. Von Lieblosigkeit sprechen hier nur jene, die von der Liebe des Christus kein Gramm in sich tragen.

Denn die Liebe des Christus wird mit allem Ernst und Eifer so wie in Seinen Erdentagen alles tun, damit Menschen dem Gericht entgehen, und das ist eine sehr ernste Sache, wie man an Seinem Wort und Leben und Dienst und Leiden sieht.

 

Jesus sprach weitaus öfter von der Hölle als vom Himmel, um uns zurückzureißen!

So wird der Verlust des Lohnes, das Verbrennen vieler Werke, das Hindurch-Gerettet-Werden wie durchs Feuer hindurch (1Kor 3,9-15) größeres »Schaden-Leiden« sein, als manche jetzt noch vermuten.

Es ist etwas gewaltig Ernstes, den Lohn zu verlieren, den wir empfangen können; Kronen verloren zu haben, die andere tragen, - die wir selbst empfangen haben  sollten - wegen unserer Untreue in dem guten Lande!

 

Es wird aber keine Missstimmung oder Verschiedenheit in der Beurteilung unseres Lebens zwischen dem Herrn und uns bestehen vor Seinem Thron, vor Seinem Richterstuhl, denn wir werden von irdischem Denken und irdischen Gefühlen ganz losgelöst sein.

In völliger Harmonie mit Seinem Urteil werden sogar unsere Werke in Rauch aufgehen, die dem Feuer Seiner Heiligkeit nicht standhalten. Wir werden dem zustimmen!

 

Vor dem Richterstuhl Christi wird nur das Bestand haben, was Er loben kann und was Er belohnen kann.

1Kor 4,5 Darum richtet nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im FinsternVerborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird; und dann wird jedem das Lob von Gott zuteil werden.

Die Ratschläge des Herzens macht Er wohl offenbar, aber Er sagt nicht, wem Er sie offenbar machen wird. Und wenn es doch so wäre? Wenn unser Leben dort vor allen öffentlich kund würde - dann würde es doch nur zur Verherrlichung Seiner Gnade geschehen.

Fragen wir uns eines: Als die Sünden Davids oder des Petrus und anderer Männer Gottes offenbar wurden, trübte das ihre Nachfolge, verminderte das ihr Glück?

 

Warum finden wir das Offenbar-Werden auch der Ratschlüsse der Herzen so schrecklich? Was können wir verlieren, wenn wir vor Menschen offenbar werden? Beim Offenbar-Werden des Lobes würde uns das ja auch nichts ausmachen! Wir fürchten, bloßgestellt zu werden mit dem, was ja in der Realität und ganz offensichtlich tatsächlich in uns ist und was offenbar werden muss vor dem Richterstuhl Christi!

Ist es nicht deswegen, weil wir immer so sehr nur mit uns beschäftigt sind? Weil unser Ich das nicht verträgt! Wo es doch gerichtet ist in und durch Christus, damit wir nicht ins Gericht kommen! Was ist da los mit uns, in uns? Wieso ängstigt uns das Offenbar-Werden? Wir sind da wohl doch nicht frei von unserem Ich!

 

Dass wir unser Ich nicht am Kreuze halten, das hat die meisten Folgeerscheinungen, die später einmal offenbar werden vor Christi Richterstuhl. Dort aber werden und sind wir endlich völlig vom Ich befreit! Das ist ein Gedanke, dem wir heute, an diesem Tage, noch intensiv nachgehen sollten!

 

Es mag uns an dieser Stelle das Wort beruhigen, dass niemand den neuen Namen dessen kennt, als nur der ihn empfängt (Offb 2,17). Das legt wohl dann den Schluss nahe, dass niemand über den Zaun gucken kann, wenn wir vor dem Herrn offenbar werden.

Der Herr sagt, wenn Er kommt, dass Sein Lohn mit Ihm kommen wird.

Wie nahe wird diese Stunde schon sein! Näher vielleicht, als wir alle denken.

 

Jedenfalls können wir nichts mehr daran ändern, wenn wir aus dem Leibe gegangen sind. Dann sind die Werke ›einzementiert. Deshalb lasst uns heute mit ungeteiltem Herzen dem Herrn anhangen und im Lichte Seines Richterstuhls über unser Leben wachen, damit wir, wenn Er kommt, ›vollen Lohn‹ empfangen.

Denn alle, die Er dort als ›gute und getreueKnechte‹ begrüßen wird, die sind hier schon als ›gute und getreue Knechte‹ gewandelt.

 

Was wir hier für Ihn waren, werden wir dort für Ihn sein - und wie wir dort wünschen werden, unser Leben zu finden, so müssen wir es hier leben.

 

Schenke uns der Herr die Gnade, die Zeit auszukaufen, und mit jedem anvertrauten Pfund (lies Lk 19,11-26) so zu wirken, dass Er uns als getreue Knechte empfangen kann und zu uns sagen kann:

Mt 25,23b » ... geh ein zur Freude deines Herrn!«

 

Amen

 

 

Bei Fragen zu diesem Thema - oder besonders die Wiedergeburt - wenden Sie sich bitte vertrauensvoll über Kontakt an uns

[1] Koch, Fritz und Alb von der Kammer (Hrsg.):Gegenseitige Handreichungen aus dem Worte Gottes. Ein Jahrbuch zur Erbauung und zur Schriftforschung in Fragen und Antworten,  9. Jahrbuch (1923-24),

[2] www.bibel-hauskreisversammlung.de - siehe unter „Gottes Namen".

[3] Die Bibel

[4] Wikipedia

[5] Beide Städte lagen in der Nähe des Sees Genezareth (http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=3185)

[6] Eine Hafenstadt im Libanon, ungefähr in der Mitte zwischen Sidon und Akko, Tyrus (oder hebräisch Zor) = Fels http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=2605&jumped_id=

[7] Oder „Sidon" - Phön. Hafenstadt, 35 km nördl. von Tyrus, das heutige Saida

[8] Siehe auch Mt 7,21

[9] Preist JHWH. Siehe auch: Gottes Namen

   
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